Dritte Passionsandacht

Das Dritte Kreuzwort Jesu – Eine Andacht von Pfarrer Ferdinand Kenning

In Wanne-Eickel haben wir in unseren Bezirken Passionsandachten gefeiert, um in der
Passionszeit dem Leiden und Sterben Jesu zu gedenken. In Holsterhausen hatten die
Passionsandachten die Kreuzworte Jesu zum Thema.
Sieben Aussprüche Jesu am Kreuz sind in den Evangelien überliefert. In dieser Andacht wird das traditionell an dritter Stelle stehende Kreuzwort in den Mittelpunkt gestellt.

Joh 19
25 Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.

26 Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

27 Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und
von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

So viel Schmerz in einer Szene. Zu viel Schmerz, als dass der Evangelist ihn in Worte fassen könnte. Er deutet ihn nur an, indem er aufzählt, wer anwesend ist, als würde er einen sachlichen Bericht schreiben.
Jesus leidet am Kreuz. Wie sehr müssen die leiden, die ihn lieben, ganz besondersseine eigene Mutter?
Und dann ist da in dieser Szene so unbegreiflich viel Ohnmacht. Jesu Stunden auf der Erde sind gezählt, es bleibt nur schreckliches Warten, dass sie endlich zu Ende gehen. Dass es kommt, wie es kommen muss und nach einem letzten Aufstöhnen, der Erlöser selber erlöst wird. Aber noch hängt er da am Kreuz, ist gefesselt und bezwungen. Was für ein grausame Szene. Und doch zeigt sich in dieser Szene so viel Zärtlichkeit, Liebe und Trost. Seine Mutter, seine Tante, Maria Magdalena, Maria, die Frau des Klopas und Johannes, der Lieblingsjünger halten bei Jesus aus. Ertragen sein Leid und spenden damit Trost. Wie stark muss ihre Liebe sein, dass sie sich dem stellen? Wie viel Selbstlosigkeit findet sich am Kreuz Jesu? Jesus richtet sich noch mit einigen seiner letzten Worten an seine Mutter und an Johannes und während sich sein Ende naht, gründet er eine Gemeinschaft und gibt ihnen Weisung für die Zukunft. Als hätte Jesus nicht genug mit sich selber zu tun, gibt er den beiden einen Grund füreinander da sein zu wollen und zu leben, statt alleine zu verzweifeln. Jesus hängt da gefesselt und bezwungen und doch ist das Kreuz der Ort unbezwingbarer Liebe, denn es ist der Ort an dem Gott uns seine Liebe offenbart. Jesus hört selbst am Kreuz nicht auf zu lieben, lässt sich nicht zwingen so zu werden, wie die, die ihn leiden lassen. Er liebt, wie Gott es tut, vergisst sich selbst und kümmert sich darum, dass andere sich umeinander kümmern.

Jesu Worte in dieser Szene geben uns als Gemeinde in einer Zeit, in der wir uns aus dem geselligen Leben zurückziehen sollen, den Auftrag uns weiter umeinander zu kümmern.

Liebe Schwestern und Brüder, Ihr könnt weiterhin Kontakt zueinander suchen, Trost spenden, und auch wenn der übers Telefon kommt, als Brief oder online stattfindet, wird er gut tun. Und in Zeiten in denen Ihr euch ohnmächtig fühlt, könnt Ihr Kraft aus der Liebe schöpfen, indem Ihr ein Auge und ein Ohr für die Menschen in eurer Umgebung habt und aufeinander achtgebt. Zur ganz praktischen Hilfe: Manchmal hilft man nicht, weil man nicht weiß wie, man helfen soll. Wenn das der Fall ist, dann weist doch einfach auf das Pfarrbüro hin. Die Gemeinde hilft gerne. So wollte es Jesus. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger:


Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(Joh 19,26-27)

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Ferdinand Kenning

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